Strafe muß sein, oder??

Strafe – wenn der Hund aber doch nicht tut, was ich will…

 

 

 

 

Positive Verstärkung ist ja ganz nett, so höre ich oft, a b e r

 

- wenn er nicht hört, muss ich ihm das ja sagen können

 

- wenn er stur ist, braucht er eben eine klare Ansage

 

- ich muss ihm sagen, wo es lang geht, sonst macht der Hund was er will

 

- ich tu dem Hund ja nicht weh.

 

 

 

Die Liste ist beliebig erweiterbar.

 

„Und ausserdem hab ich Leckerlie dabei, wenn er etwas gut macht, lobe ich ja und gebe ein Leckerlie.“

 

 

 

Wir haben bereits (in meinen vorhergehenden Blog-Artikeln) die 4 Möglichkeiten des Lernens via Konditionierung besprochen:

 

- positive Verstärkung     (etwas Angenehmes kommt dazu)

 

- positive Strafe                 (etwas Unangenehmes kommt dazu)

 

- negative Verstärkung    (etwas Unangenehmes kommt weg)

 

- negative Strafe                (etwas Angenehmes kommt weg)

 

 

 

 

 

Aber kann ein Hund mittels Strafe lernen sein Verhalten zukünftig zu verändern?

 

 

 

Beispiel „er hört nicht auf mein Signal“:

 

 

 

Er setzt sich nicht hin, wenn ich ihn dazu auffordere :

 

 

 

-          hast du das Sitzen überhaupt viele 100mal in allen möglichen Situationen trainiert?

 

Hunde lernen kontextspezifisch…probier es aus, wenn du immer stehst beim Signal sitz, kann es durchaus sein, dass dein Hund das Signal nicht versteht, wenn du selbst sitzt oder liegst..…

 

-          ist es unangenehm für deinen Hund sich auf nassen Untergrund oder spitze Steine zu setzen?

 

-          ist er vielleicht gerade viel zu aufgeregt oder die Ablenkungen zu groß?

 

-          ist deine Belohnung vielleicht zu ungenau oder nicht wertig genug?

 

 

 

Er kommt nicht auf Signal zurück:

 

 

 

-          hast du das Kommen 100erte Male in ganz verschiedenen Umgebungen und mit vielen verschiedenen Ablenkungen trainiert?

 

 

-          hast du das Signal auch wirklich richtig aufgebaut?

 

Wenn ich einen Hund z.B. mit meiner Körpersprache frontal hemme, ist es nicht verwunderlich, wenn er „überlegt“.

 

-          ist die Belohnung seiner Motivation überhaupt angepasst?

 

Stell dir vor, du sitzt im Kaffee vor deinem Lieblingseisbecher und ein Freund bittet dich, diesen stehen zu lassen, um dir seinen Apfelsaft zu geben. Wohl  kaum. Bietet er dir aber auch deinen Lieblingseisbecher plus einer Portion lecker Sahne, würdest du das Angebot sicher annehmen.

 

Wir können also nicht erwarten, einen Hund im Jagdmodus für ein Stück Trockenfutter zum freudigen Zurückkommen zu motivieren.

 

 

 

 

 

Was nun folgt sind neben den üblichen „Neins“ meist folgende Ratschläge:

 

 

 

Beispiel blockieren:

 

 

 

Der Hund soll nicht zuerst aus der Haustüre gehen oder an der Straße weitergehen und du stellst dich frontal vor ihn und hinderst ihn am Vorwärtsgehen = positive Strafe.

 

 

 

Was lernt unser Hund damit? Nichts!

 

-          es wird zu hoher Frustration führen, denn der Hund kann ja nicht tun, was er wollte

 

-         er wird dauerhaft Angst vor seinem Menschen bekommen, da er die Begründung fürs Blockieren ja nicht einschätzen oder verstehen kann, er keine Alternative bekommt.

 

 

 

Aber, es wird ihm nicht gesagt, was er STATTDESSEN tun könnte.

 

Es wird ihm nicht gesagt, dass es sich für ihn lohnt, seine Aufmerksamkeit erstmal zu dir zu lenken,

 

es wird ihm nicht gesagt, dass es okay ist, auch mal zu abzuwarten.

 

 

 

 

 

 

 

Beispiel Schreckreiz:

 

 

 

Dein Hund bellt regelmäßig den Nachbarn am Gartenzaun an und du spritzt ihn mit Wasser an oder er bellt im TV Tiere an und du schmeißt den scheppernden Schlüsselbund vor ihn auf den Boden….es gibt viele Möglichkeiten den Hund kurz zu erschrecken und damit das doofe Verhalten, meist bellen, zu unterbrechen.

 

Arbeiten mit Schreckreiz ist also = positive Strafe.

 

 

 

Was lernt unser Hund dabei? Ebenfalls nichts Gutes.

 

 

 

Was aber passieren wird:

 

-          kommt ein Schreckreiz öfter oder gar regelmäßig, so gerät der Hund in Dauerstreß = chronischen Streß, da er ja in ständiger Angst vor dem nächsten Erschrecken leben muss.

 

-          er wird unsicher werden, kein Selbstvertrauen mehr entwickeln können

 

-          da mit dem Schreckreiz meist auch andere Kontexte verbunden sind (wir erinnern uns, Hunde lernen kontextspezifisch), werden vormals unwichtige Auslöser (das erscheinen anderer Personen, andere Hunde, ect.) zu unberechenbaren Auslösern für aggresives Verhalten. Er hat ja gelernt, wenn xy erscheint, passiert für mich etwas Doofes.

 

-          unter Umständen verbieten wir damit auch seine normale Kommunikation. Nicht vergessen, Bellen sind nicht Geräusche, um uns zu ärgern, sondern die Ausdrucksform, mit der ein Hund uns etwas mitteilt.

 

Unterdrücken wir nachhaltig das Bellen oder Knurren, wird er diese WARNhinweise irgendwann lassen und in Not ohne vorherige Ankündigung zubeißen! (Liest man ja nun recht häufig in den Medien.)

 

 

 

 

 

 

 

Beispiel Leinenruck:

 

 

 

Hund zieht an der Leine. Du ruckelst dann kurz = positive Strafe. Jetzt zieht der Hund kurz nicht und du belohnst mit einem Keks = positive Verstärkung.

 

 

 

Was genau der Hund dabei lernt ist wiederum nichts Gutes:

 

 

 

-          Entweder, der Leinenruck ist für ihn sehr schmerzhaft (Halsband) , dass er es tatsächlich zukünftig sein lässt.

 

Allerdings aus ANGST vor dem Schmerz = Meideverhalten und nicht weil er lernt, dass es okay ist, neben seinem Menschen entspannt zu gehen.

 

 

 

-          Oder, was die häufigere Variante ist, er hat gelernt: nach dem Ziehen kommt zwar kurz etwas Unangenehmes (Ruck), aber danach krieg ich einen Keks.

 

Heißt, er wird garantiert weiter ziehen!

 

 

 

 

Sehr viel sinnvoller wäre, ihm mit einem Signalwort fürs Leinenende beizubringen und mittels MARKERN das lockere Gehen zu verstärken. VORHER, damit ein Ziehen erst  garnicht ensteht.

 

 

 

 

 

Fazit

 

 

 

Strafen sind im Hundetraining mehr als unangebracht, weil

 

 

 

-          sie dem Hund nicht sagen, wie er es zukünftig besser machen kann

 

-          sie den Hund verunsichern, bindungshemmend sind

 

-          sie wichtige Kommunikation unterdrücken und damit nicht nur dich für deinen Hund, sondern auch deinen Hund selbst unberechenbar machen.

 

 

 

 

 

Training mit positiver Verstärkung heißt NICHT, dass wir dem Hund keine Grenzen setzen, er wird NICHT mit Leckerlie zugeschüttet und abgelenkt.

 

 

 

Sondern wir zeigen ihm Wege, wie er in Situationen angemessen und für ihn passend umgehen kann.

 

 

 

Beispiel:

 

 

 

Dein Hund springt beim Spaziergang immer alle Menschen an.

 

Anstatt ihn nun zu schimpfen, an der Leine zu rucken und entnervt anzuschreien und irgendwelche Schreckmittel zu benutzen,

 

 

 

kannst du dieses unerwünschte Verhalten trainieren,

 

indem er kleinschrittig lernt, dass es sich lohnt, alle 4 Beine am Boden zu behalten, dass es toller für ihn ist, bei dir zu bleiben, eventuell mittels Targetraining zusätzlich das Abwarten üben.

 

 

 

Wir setzen dem Hund also eine Grenze, die er verstehen und erlernen kann, ohne mit ihm in einen „Machtkampf“ zu geraten. Freundlich, fair, zuverlässig und damit für den Hund berechenbar.

 

 

 

In diesem Sinne, verstärken wir doch gutes, positives Verhalten der Hunde und verdrängen damit ganz automatisch unerwünschtes Verhalten.

 

 

 

©2019 HundeSchuhle Heike Schuh

 

 

 

Rufen Sie mich einfach an.

Heike Schuh

Mittelweg 12c

63762 Großostheim

 

0 1 7 7 - 8 2 0 0 5 8 1