Clicker / Markerwort

Markerwort / Clicker

 

 

 

 

Wozu brauchen wir denn überhaupt ein Markerwort/Clicker?

 

Mein Hund weiß sowieso, dass ich ihn lobe, ich sag dann ja fein, toll, super.

 

Klar „weiß“ der Hund irgendwie, dass sein Mensch in einer netten Stimmung ist, wenn wir ihn loben.

 

Verstehen, wofür genau genau wir ihn loben, kann er aber nicht.

 

Er spricht nämlich kein Deutsch. Hunde sprechen Hündisch.

 

 

Und ausserdem streichle ich ihn dann…das mag doch jeder.

 

Wirklich?

 

Sehr sehr viele Hunde mögen diesen Körperkontakt zumindest „Draußen“ nicht. Schaut mal genauer hin und achtet auf die Körpersprache während ihr streichelt. Guckt euer Hund dabei kurz zur Seite, leckt er sich kurz über die eigene Nase?  

 

Dann sind das sog. Beschwichtigungssignale. Mit diesen sagt euer Hund euch: „Das finde ich jetzt nicht gut, lass das bitte.“

 

 

Weswegen brauchen wir es dennoch?

 

Dazu ein kleiner Exkurs in die Lerntheorie bzw. die Konditionierung:

 

 

Hunde lernen anhand der Konsequenz, die ihr Verhalten hat.

 

Dementsprechend wird er ein Verhalten in der Zukunft öfter zeigen oder

 

eher lassen/vermeiden.

 

 

Den Hund interessiert dabei nicht, ob er das darf, wir das nicht mögen oder er eine Strafe zu erwarten hat.

 

Ihn interessiert nur, ob es sich für ihn letztlich lohnt!!!

 

Und nicht zu vergessen:

 

Hunde lernen immer. Naja, zumindest immer, wenn sie wach sind und nicht nur im Trainingsmodus in der Hundeschule.

 

Beispielsweise der berüchtigte bellende Hund am Gartenzaun.

 

Er hat anfangs als Konsequenz gelernt, wenn er bellend zum Zaun rennt, entfernt sich der vorbeigehende Mensch, Postbote oder fremde Hund.

 

Also lohnt es sich für den Hund bellend dorthin zu rennen um den vermeindlichen Eindringling immer wieder „erfolgreich“ zu vertreiben.

 

(Dass der Mensch „sowieso“ weitergeht, weiß der Hund ja nicht.)

 

 

Für die Konditionierung (Lernverknüpfung) gibt es 4 verschiedene Möglichkeiten:

 

Positive Verstärkung (Belohnung)

 

Etwas Angenehmes wird zu einem Verhalten hinzugefügt.

 

Wenn mein Hund sitzt gebe ich ihm ein Leckerlie. Das findet er natürlich toll und wird sich dafür öfter, schneller und länger setzen.

 

Negative Verstärkung (Belohnung)

 

Etwas Unangenehmes hört auf während des Verhaltens.

 

Ich drücke meinen Hund ins Sitz. Wenn er sitzt, höre ich auf zu drücken. Auch hier wird sich der Hund in Zukunft öfter setzen, weil er dem unangenehmen Runterdrücken ausweichen will.

 

Blöde ist hierbei allerdings, dass damit nicht nur Vertrauen zu uns Menschen gestört wird, sondern dass so mancher Hund dann versucht diesem Verhalten aus dem Weg zu gehen.

 

Positive Strafe (Angst!!!)

 

Etwas Unangenehmes wird zum Verhalten hinzugefügt.

 

Dein Hund bellt, wenn der Postbote klingelt. Du spitzt Wasser oder schmeißt eine Rütteldose. Dein Hund erschrickt sich fürchterlich und wird das Bellen zukünftig erstmal lassen.

 

Aber um welchen Preis? Er hat Nichts gelernt. Sein Verhalten ändert sich, weil man ihn hemmt und er Angst bekommen hat.

 

Er hat nicht gelernt, was er STATTDESSEN machen kann, sondern er meidet aus Angst vor Strafe.

 

Negative Strafe (Frustration)

 

Etwas Angenehmes hört auf während des Verhaltens.

 

Hund soll sitzen während dem Ballspielen, wenn er aufspringt ist das Ballspiel beendet. Der Hund wird sich also frustriert fühlen und das Verhalten eventuell zukünftig nicht mehr zeigen und sitzen bleiben. Aber, aus Frustration wird sehr schnell Aggression oder Lethargie.

 

 

Für alle 4 Möglichkeiten gilt aber:

 

Eine Konsequenz (Belohnung oder Strafe) kann ein Hund nur dann mit dem gezeigten Verhalten in Zusammenhang bringen, wenn das Zeitfenster zwischem gezeigtem Verhalten und Konsequenz allerhöchstens 2-3 SEKUNDEN beträgt!!!

 

 

Und hier kommen wir wieder zurück zum Markerwort/Clicker:

 

 

Es dient dazu, dass der Hund weiß, dass das, was er in diesem Moment (also beinahe zeitgleich) an Verhalten zeigt, ganz toll ist, also genau das ist, was wir wollen.

 

Und es kündigt ihm gleichzeitig und ZUVERLÄSSIG die Belohnung (Verstärkung) an.

 

Das beeinflußt die Kooperationsbereitschaft, Zusammenarbeit und Bindung positiv , DENN WAS TOLL IST, DAS WIRD DER HUND GERN ÖFTER und SCHNELLER TUN.

 

Wir gewinnen also Zeit. Denn der Hund hat gelernt, nach dem Markerwort/Click kommt IMMER (ausnahmslos) eine Belohnung.

 

Das Markerwort/Clicker ist somit der Grundbaustein, mit dem wir ständig arbeiten, um dem Hund mitzuteilen, was wir möchten. Vergleichbar mit dem Erlernen des ABC in der Grundschule, um damit überhaupt Schreiben und Lesen zu können.

 

Es hilft uns, den Hund durch schwierige oder beängstigende Situationen zu führen, es ist nützlich zum Erlernen aller möglichen Tricks und sämtlicher Signale.

 

Und wie macht man das?

 

Ihr nehmt einen handelsüblichen Clicker und/oder für das Markerwort nehmt bitte ein kurzes Wort, dass ihr im Alltag nicht allzuhäufig verwendet, bspw. Click, Bingo, Yepp, Tick,.... irgendsowas.

 

Jetzt gilt, dass IMMER und ausnahmslos bei diesem EINEN Wort/Click ein Keks, ein Spiel oder irgendeine andere „bedürfnisorientierte“ Belohnung für den Hund folgt. Sein Leben lang.

 

Es macht Sinn, dass ihr beides, Clicker und Markerwort trainiert. Nicht immer habt ihr in jeder Situation euren Clicker zur Hand. Allerdings ist der Clicker beim Training einfach einen Tucken schneller und präziser (da ohne stimmliche Klangfarbe = Emotion).

 

Wollt ihr weniger wichtige Verhalten belohnen, ein einfaches Sitz oder dergleichen, verwendet irgendwelche anderen Lobewörter. Da muss kein Keks folgen.

 

Achtung: Das Markerwort/Click ist kein Rückruf. Euer Hund muss nicht unbedingt ein Leckerlie abholen.

 

Es sagt ihm lediglich: Was du grad machst ist richtig! Letztlich entscheidet der Hund darüber.

 

 

Trainieren:

 

In ruhiger häuslicher Umgebung 2 Tage lang immer wieder zum Hund gehen, das Markerwort/Click sagen und gleichzeitig einen Keks geben oder vor ihn auf den Boden fallen lassen.

 

Der Hund muss dafür nichts tun. Er wird auch nicht extra angesprochen.

 

Er soll nur lernen, fällt dieses Wort, gibts ein Leckerlie.

 

Mache dies mehrfach über den Tag verteilt ca. 5-8mal nacheinander.

 

Nimm direkt verschiedene kleine Leckerlie, damit dein Hund keine „bestimmten“ verknüpft.

 

Achtung: Greife immer erst zu deinen Leckerlie (Tasche, Beutel) NACHDEM du dein Markerwort/Click gesagt hast, sonst lernt dein Hund nicht das Markersignal sondern den Griff nach den Leckerlie als Signal.

 

Nach 2 Tagen könnt ihr den Test machen:

 

Sagt euer Markerwort/Click in gehöriger Entfernung im Haus, kommt Hund angerannt, Leckerlie; jetzt hat er es begriffen.

 

Nun übt ihr das Markerwort/Click, noch im Haus, als Bestätigung für vom Hund ausgeführte Übungen;

 

d.h. ihr sagt z.B. Platz, Hund liegt, Markerwort, Keks.

 

Achtung: Schaut bitte genau hin, WANN ihr markert. Wenn der Hund im Sitz ist und seinen Popo bereits ein kleines bisschen vom Boden erhoben hat wenn euer Markerwort/Click kommt, habt ihr den erhobenen Popo und nicht das Sitzen gemarkert. Anfangs sollte auch das Leckerlie so gegeben werden, dass das Signal, wie in diesem Beispiel das Sitz, exakt ausgeführt wird.

 

Wenn das klappt, verlagert das ganze nach Draußen, aber bitte erstmal nur in unaufgeregten Situationen und für bekannte Signale markern.

 

Ihr habt jetzt ein Signal, mit dem der Hund sicher und verlässlich erkennen kann, dass das, was er gerade an Verhalten zeigt, gewünscht ist.

 

Wir haben damit sozusagen eine „gemeinsame“ Sprache gefunden.

 

Verwendet bitte auch mal unterschiedliche Belohnungen.

 

Was euer Hund als Belohnung empfindet, bestimmt er und ändert sich auch immer mal wieder. Und, dass ist das Tolle, es sind eben nicht nur Leckerlie, auch Wurst, Käse, Leberwursttuben oder Spielereien, die er gerne macht (Zergeln) oder unter Signal mal nach Mäusen buddeln dürfen, schwimmen, usw. usw.

 

Viel Spaß MIT euren Hunden.

 

 

 

Heike Schuh / 2018

 

Rufen Sie mich einfach an.

Heike Schuh

Mittelweg 12c

63762 Großostheim

 

0 1 7 7 - 8 2 0 0 5 8 1