Warum Wasserspritzen & Co. Deinem Hund nicht helfen!

Euer Kleiner war der liebste Welpe überhaupt, aber plötzlich, so mit 6-12 Monaten, mutiert er zum Kläffer. An der Leine werden Menschen und andere Hunde lautstark verbellt und zu Hause wird das Grundstück vehement verteidigt.

 

Was ist passiert?

 

Die Leinenaggression/Kläffen hat vielfältige Gründe:

 

 

1.  Dein Hund hat schlechte oder gar keine Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht. Hier genügt sogar nur ein Vorkommnis. Er wurde mal angepöbelt, angebellt, überrannt… in vermeintlichen Spielsituationen oder aber an der Leine. Dass das Wedeln eines anderen Hundes nämlich nicht unbedingt bedeutet, dass der dringend deinen Hund begrüßen möchte, wurde übersehn.

 

    Und so hat er recht schnell gelernt, dass Angriff die beste Verteidigung ist. (Tip: Wer die Körpersprache der Hunde nicht beherrscht sollte keinen Kontakt mit anderen Hunden zulassen, solange eurer angeleint ist!!)

 

 

2.  Dein Hund ist frustriert, weil er nicht gelernt hat, dass er es auch mal ruhig aushalten kann, wenn andere Hunde in der Nähe sind.

 

Weil er durch Leinenkontakt keine hundliche Begrüßung erlernen konnte.

 

Oder er aufgrund seiner Veranlagung und mangelndem Training nicht von der Leine gelassen werden kann.

 

 

3.  Weil er aufgrund deiner Anspannung bereits gelernt hat, dass andere Hunde doof sind. Die klassische Fehlverknüpfung: der Hund sieht einen anderen Hund und du ziehst oder ruckelst an der Leine. Dieser kurze Ruck, diese Einschränkung und dieser kurze Schmerz, wird dein Hund dann mit dem verbinden, was er in diesem Moment sieht: ein anderer Hund.

 

 

4.  Schlechte Welpenspielstunden, privat oder in „Hundeschulen“, in denen dein Hund gemobbt, nicht beachtet oder „alleine“ gelassen wurde.

 

 

Und nun?

 

Es kommen Ratschläge wie: du musst dem Hund zeigen, wer der Chef ist….der Hund will sein Revier verteidigen…das ist typisch für kleine verzogene Handtaschenhunde…er ist halt in der Pubertät, das musst du konsequent unterbinden. Wasserspritzen, Rappeldosen, ignorieren, weiterziehen, mal klar die Meinung sagen und mal kurz in den Nacken greifen (...das machen die Elterntiere ja auch...) sind nur einige der empfohlenen Maßnahmen.

 

Weshalb sind die Methoden denn schlecht, sie tun deinem Hund doch nicht weh?

 

Grundsätzlich sollte man sich klar machen, dass all diese Tipps das „schlechte“ Verhalten des Hundes „nur“ unterdrücken und hemmen. Aber, und das ist der springende Punkt“, der Grund für das Verhalten bleibt.

 

Und die Mutterhündin tut das so sicherlich nicht...wer das beobachtet, der sieht bereits ein gestörtes Sozialverhalten bei eben den Elterntieren. Hinzu kommt, dass wir nunmal Menschen und keine Hunde sind und damit auch nicht hündisch agieren können. Oder pinkelt der Mensch dann auch mal eben ums Sofa, um sein Revier zu verteidigen?

 

 

Der Hund LERNT keine Möglichkeit, die ihm sagt, dass es gar keinen Grund gibt loszubellen oder zumindest die Situation ruhig auszuhalten. Er weiß schlicht nicht, was er "stattdessen" machen soll.

 

 

 

Ich vergleiche das gerne mit einem Bandscheibenvorfall: Du hast Schmerzen und schluckst immer und immer wieder Schmerztabletten. Dabei brauchst du über die Zeit eine immer höhere Dosierung. Natürlich wirken die erstmal und du bist schmerzfrei. Aber, bei falschen Bewegungen kommen die Schmerzen wieder, immer schlimmer und schlimmer. Es wurde nämlich nicht an der Ursache gearbeitet, sondern nur die Symptome behandelt.

 

Genau so funktionieren diese aversiven Trainingsmethoden.

 

Die Angst und Unsicherheit gegenüber anderen Hunden wird deutlich stärker werden, dein Hund erfährt ja jedes Mal, wenn er einen Artgenossen sieht, etwas Negatives.

 

Er verknüpft das und binnen kürzester Zeit steht er bei jeder Hundebegegnung in folgendem Konflikt:

Angst vor dem nächsten Schreckreiz und Schmerz vom eigenen Mensch vs.

Angst vor dem Hund, weil er da sowieso immer einen Schreckreiz erfährt.

 

Hinzu kommt, dass dein Hund diese Schreckreize nicht verstehen kann und eigentlich nur lernt, dass seine Menschen immer mal wieder doof zu ihm sind.

Eine vertrauensvolle Beziehung wird so sicherlich nicht gefestigt!

 

Desweiteren besteht eine sehr sehr hohe Gefahr von sogenannten Fehlverknüpfungen:

während du deine Rappeldose schmeißt, dein Wasser spritzt, nimmt dein Hund z.B. kleine Kinder am Straßenrand gegenüber war. Er wird also verknüpfen: Wenn kleine Kinder kommen, werde ich erschreckt. Kleine Kinder sind doof.

 

Schlußendlich wandeln wir so unsere Hunde in „tickende Zeitbomben“ um und irgendwann wird die inzwischen entstandene Aggression gegenüber Hunden/Menschen größer sein, als die Angst vor der zu erwartenden Strafe und was dann passiert, wollen wir alle sicherlich nicht.

Oder der Hund wird "gebrochen", heißt er reagiert garnicht mehr großartig...nunja, dann täte es aber auch ein Roboterhund, nichtwahr?

 

 

Was soll ich denn dann machen?

 

Dem Hund über ein angepasstes Training zum einen vermitteln, dass er anstatt zu Bellen etwas viel Tolleres machen kann und ihm zum anderen die Ängste nehmen.

 

Zuerst benötigen wir ein sogenanntes Markerwort.

 

Das ist ein Lobewort, mit dessen Hilfe ich meinem Hund exakt und für ihn verständlich sagen kann, dass das, was er gerade tut, genau so toll ist.

 

Dieses Markerwort muss allerdings trainiert werden. Einfach ein klasse, fein, toll, genügt nicht….Hunde sprechen kein Deutsch 😉

 

Zusätzlich zum Markerwort ist der Clicker empfehlenswert. Er hat die gleiche Funktion wie das Markerwort, hat aber 2 entscheidende Vorteile: der Click ist immer gleich, also ohne angespannte Tonlagen und im Zweifel kommt er schneller beim Hund an.

 

Desweiteren benötigen wir ein gutes Management, je nachdem, ein Maulkorbtraining, Schleppleine und Wege, die für das Training geeignet sind, auf denen du die Distanzen zu anderen Hunden/Menschen erhöhen kannst.

 

Selbstverständlich ist auch ein gut sitzendes Brustgeschirr!

 

Und natürlich Verhaltensverstärker, also Dinge, mit denen du ein gutes Verhalten deines Hundes nicht nur belohnen, sondern auch verstärken kannst, so dass er es immer öfter zeigt. In den meisten Fällen gelingt dies übers Futter. Mach dir eine Liste, welche Leckereien dein Hund superlecker findet, welche immer gehen.

Und nein, Training via positiver Verstärkung ist nicht Ablenken via Futter, sondern Lernen via Konditionierung!

 

Diverse Alternativverhalten sollten ebenfalls zur Verfügung stehen. Das sind Verhalten, die ich mit einem Signal abfragen kann. Diese wird der Hund dann STATT der Bellattacken ausführen können (diverse Spiele, Alltagsverhalten unter Signal, usw.)

 

 

Die Frage ist nie, was der Hund nicht tun soll, sondern, WAS ER STATTDESSEN TUN KANN.

 

Mit all diesen Möglichkeiten kann es jetzt ans eigentliche 

Training gehen: click for Blick, Z&B, Konditionierte Entspannung, Umorientierung, usw., usw.

 


 

 

 

Ein guter Trainer/Hundeschule wird hier auf freundliche und für den Hund verständliche Weise mit euch trainieren und euch zu einem vertrauensvollen und entspannten Miteinander verhelfen.

 

 

Juni 2018

Hunde Schuh le.de

Heike Schuh

 

 

 

 

 

 

 

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Heike Schuh

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